Quilten – mit Führung

Ich möchte an dieser Stelle nochmal erwähnen, dass ich die Weisheit natürlich nicht mit dem Löffel gegessen habe und dies alles nur auf meinen Erfahrungen beruht und beschreibt, wie ich arbeite. Und ich bin kein sehr erfahrener und routinierter Quilter! Manch einer mag ob meiner ‘Tips” die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Ich freue mich über jeden Hinweis oder Tip in den Kommentaren! Wie gesagt – so wie ich es beschreibe funktioniert es für mich – es gibt auch noch viele andere Wege ans Ziel zu kommen.

Das Quilten ist ein Schritt, der langwierig sein kann – je nachdem welches Quiltmuster ihr euch überlegt. Je mehr Linien ihr quiltet, desto

- länger dauert es,

- ‘puckeriger’ wird euer fertiger Quilt (so wie es traditionell meist gehandhabt wurde/wird) – er kriegt also mehr Struktur anstatt ganz glatt zu sein nach dem Waschen,

- fester wird euer Quilt. Quiltet ihr also in größeren Abständen, dann ist der Quilt weicher und weniger griffig.

Wofür ihr euch hier entscheidet, ist letztendlich Geschmackssache. Ich selbst mag mittlerweile beides und am besten gemischt. Arbeitet man zum Beispiel hauptsächlich mit engen Quiltlinien und spart aber bestimmte Muster aus, treten diese sehr schön hervor. So kann man sein Design nochmal richtig in Szene setzen.

Neben der Dichte der Quiltnähte muss man sich auch überlegen, ob man Freihand-Quilten möchte oder mit Führung. Ich werde euch hier zeigen, wie es mit Führung funktioniert. Ich habe erst ein paar Mal Freihand-gequiltet und mir fehlt einfach die Erfahrung um hier Tips geben zu können. Wenn ich mich schlauer fühle, werde ich die Tutorials Reihe ergänzen. Hier aber noch ein paar generelle Infos:

Quilten mit Führung:

Das hört sich ganz wichtig an, gemeint ist aber das ganz normale Nähen, bei dem die Nähmaschinenfüßchen unter dem Nähfuß den Stoff transportieren und führen. Das ist bei allen Nähmaschinen als Grundeinstellung einfach so gegeben. Nachteil dieser Methode ist, dass der Stoff immer nur von vorne nach hinten transportiert wird und ihr den Quilt drehen müsst, wenn ihr die Richtung wechseln möchtet.

Freihandquilten:

Hier werden die unteren Führungsfüßchen der Nähmaschine abgesenkt. Nicht jede Maschine kann das! Schaut in der Gebrauchsanleitung eurer Nähmaschine nach, falls ihr es mal ausprobieren wollt. Der Vorteil dieser Methode ist, dass ihr nun in alle Richtungen nähen könnt, denn eure Hände bestimmen wie schnell und wohin der Stoff bewegt wird. Dies bedarf einiger Übung, daher habe ich mich für den Anfang dagegen entschieden. Wenn man einmal dabei ist macht es aber durchaus Spass und man hat unendlich viele Möglichkeiten an Quiltmustern!

Material: Ich benutze immer Standard-Polyester Garn zum Quilten, meine Marke der Wahl ist Gütermann. Genaueres könnt ihr auch hier nachlesen. Ausserdem benutze ich Standard 12er Nähmaschinennadeln. Meine Maschine macht hier keinerlei Probleme. Wichtig: Quiltet nicht mit einer stumpfen Nadel, das kann eurem Stichbild schaden. Setzt am besten vor dem Quilten eine neue Nadel ein.

Habt ihr euch für ein Muster entschieden? Dann geht’s los!

Ich starte meist damit, mir Linien auf den Quilt zu zeichnen, die mir helfen, dem Muster zu folgen. Das sind dann entweder Linien denen ich genau Folge oder aber auch manchmal Linien, von denen ich 1/4 inch links oder rechts davon oder auch beides quilten möchte – das geht dann mit Hilfe der 1/4 inch-Fuss. Für das Zeichnen auf dem Quilt gibt es viele Stifte zu kaufen, die auch spätestens nach dem Waschen wieder raus sind. Leider sind die sehr teuer und auch schnell ‘leer’. Deswegen bin ich mittlerweile teilweise dazu übergegangen, Bleistift oder  neuerdings Frixion Stifte zu werden. Letztere sind genial – Mit Hilfe von Wärme, zum Beispiel durch das Bügeleisen werden sie unsichtbar. In der Anwendung sind sie kinderleicht, sie sind günstig und sind nicht so schnell leer – Kauftip!

Ich habe diesen Quilt sehr einfach gequiltet, mit simplen diagonalen Linien. Eigentlich wollte ich ursprünglich noch einmal in die andere Richtung diagonal quilten um ein Rautenmuster zu bekommen – aber mir hat es nach der Hälfte so gut gefallen, dass ich es gelassen habe. Für die Linien habe ich mich an Referenzpunkte der Blöcke gehalten. Im Foto kann man das vielleicht erkennen. Ihr könnt aber natürlich eurer Fantasie freien Lauf lassen!

Nun geht es an die Maschine. Erstmal müsst ihr eure Fadenspannung richtig einstellen. Ätzend ist das, ich weiss. Ich hasse es an diesen Einstellungen rumzuspielen. Aber es muss leider sein, zumindest bis ihr einmal die richtige Einstellung für’s Quilten gefunden habt. Dazu macht es Sinn, sich ein Probestück zusammen zu heften – einfach ein Stück eures Vlies nehmen, oben und unten Stoffrest drauf und damit üben. Dann müsst ihr auch keine Nähte auftrennen auf eurem schönen Quilt! Spielt mal mit eurer Spannung und verschiebt sie hin und her, bis eure Naht von oben und unten gut aussieht. Gut aussehen heisst, ihr habt auf beiden Seite gleichmäßige, stramme Stiche und es bilden sich keine ‘Loops’. Der Faden von der jeweils anderen Seite darf beim Nähen nicht durchgezogen werden. Wenn das klappt, dann ist es richtig. Noch ein kleiner Tip: Ich muss meine Maschine immer einmal ausstellen, bis sie eine Veränderung auch annimmt. Also: Rädchen drehen, Maschine aus, Maschine an und ausprobieren. Bei Bedarf wiederholen.

Wer kann, sollte einen Transportfuss verwenden, das macht das Ganze deutlich einfacher und der Quilt flutscht besser durch. Es geht aber auch ohne.

Das Quilten startet man nach Möglichkeit in der Mitte des Quilts und arbeitet sich dann nach aussen vor. So kommt es zu möglichst wenig Knubbeleien im Quilt und er schlägt hoffentlich wenig Wellen die dann in vernähten Falten resultieren. Damit der Quilt auch möglichst einfach durch den Arm passt, also durch den Raum rechts von eurer Nadel, rollt man ihn sich zusammen, damit er leichter zu händeln ist. Ich habe das zum Beispiel so gelöst.

Da der Quilt recht gross ist, und damit sein Eigengewicht den Quilt nicht nach rechts und links zerrt und das Führen noch schwieriger macht, habe ich mir die ‘Wurst’ beim Quilten über die Schulter gelegt. Ihr könnt ja mal ausprobieren, wie es für euch am besten funktionert.

Beginnt eure Naht immer ausserhalb eurer Vorderseite und näht dann von dort auf den Quilt drauf. So habt ihr keine losen Fäden auf der Oberfläche.

Näht bis eure Maschinen glüht und dann noch ein bisschen mehr. Wenn ihr auf eine Sicherheitsnadel stosst, dann haltet kurz an um sie zu entfernen und dann geht’s direkt weiter. Ich versuche mit meinen Händen den Stoff etwas zu spannen und den Quilt eigentlich nur zu halten, so dass sein Gewicht ihn nicht in die ein oder andere Richtung zerrt. Das Nähen bzw. Transportieren versuche ich der Maschine zu überlassen, so werden die Nähte gleichmäßiger. Und ganz wichtig: Seid nicht so streng mit euch. Ich schaffe es NIE, dass meine Linien richtig gerade und sauber werden. Ist im Endeffekt aber ganz egal, das werdet ihr im fertigen Quilt nicht sehen, bzw. müsstet eure Nase dran halten und suchen um die Stellen wieder zu finden. Näht drauf los und habt Spass daran, das Ergebnis wird so oder so toll werden!

Achtet beim Quilten darauf, dass der untere Faden nicht plötzlich mitten auf einer Linie leer ist und ihr es nicht bemerkt – mir passiert das häufig und ich merke es immer sehr spät. Das ist nicht schlimm, nur ärgerlich wenn ihr Linien doppelt nachgehen müsst. Was macht man, wenn der Unterfaden unterwegs ausgeht? Es gibt verschiedene Methoden, ich halte es mit der einfachsten und wohl auch unordentlichsten. Ich schneide überstehende Fäden ab, fülle den Unterfaden nach und beginne dann ca. 2 cm vor dem Endpunkt aber genau auf der Nahtlinie eine neue Naht. Dazu vernähe ich den neuen Faden erstmal indem in ein paar Mal auf der Stelle nähe und dann geht’s von dort wie geplant weiter. Überstehende Fäden werden wieder abgeschnitten. Das heisst an dieser Stelle habe ich also für ca. 2 cm eine doppelte Naht. Mich stört das nicht, im Gesamtbild des Quilts fällt es gar nicht auf. Und es geht schnell!

Falls ihr Fragen habt, meldet euch einfach! Ich wünsche euch viel Spass!

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